Julia Fordham singt “Eleanor of Aquitaine

Wie findet ihr den Song? Eleanor war die berühmteste Kreuzfahrerin aller Zeiten. Sie war mit zwei Königen verheiratet, einer von ihnen Kreuzfahrer, und sie gab Leben zu zwei Königen, einer von ihnen wiederum Kreuzfahrer, Richard von Löwenherz:

Eleanor war ein freiheitsliebender Mensch. So etwas, was man heute als Freigeist bezeichnen würde. Sie hatte einen wesentlichen Beitrag zu der Entwicklung des Ritterkodex geleistet, und sie steht auch an den Wurzeln der Europäischen Literatur. Ohne sie hätten wir vielleicht auch eine ganz andere kulturelle und wissenschaftliche wissenschaftliche Tradition in Europa entwickelt.

Heute wird ihre Bedeutung vielleicht deswegen herunter gespielt, weil sie eben an dem zweiten  Kreuzzug gegen die Muslime teilgenommen hat. Denn sonst wäre sie der beste Prototyp der selbstbewußten Frau, die sich sogar erlaubt hat, einen zehn Jahre jüngeren Mann zu heiraten, die Kinder und Karriere unter einen Hut bekam, die kämpferisch und vielseitig interessiert war.

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In einer Abhandlung "De Amore" beschreibt Andreas Capellanus einen Liebesgerichtshof, bei dem Frauen des Hoffes über Fragen der Liebe, Ehe, Ehebruch u. ä. zu Gericht saßen. Eins der erwähnten Urteile bezieht sich auf Marie de Champagne, die Tochter der Eleanor. Deswegen gehen heute viele Forscher davon aus, dass das "Liebesgericht" (oder Minne-Gericht) auf sie zurückzuführen ist.   Und darin erkennt man unschwer den Ritterkodex, der das Mittelalter weit überlebt hatte und noch im Verhalten des Adels (z. B. bei Duellen) de Gentlemen, aber auch heute noch des Millitärs geprägt hat.

In anderen Kulturen wird Betrug und Verrat moralisch nicht so hart verurteilt, wie in den Verhaltensregeln, die aus dem europäischen mittelalterlichen Ritterkodex entwickelt haben.

Ebenso war Eleanors Hof in Aquitanien die Wiege der Minne-Kunst. Das bestand aber nicht nur aus lyrischer Dichtung, sondern auch aus Balladen, also Beschreibungen vom weltlichen Geschehen in Gedichtform - jene Kunst, die von den nächsten Generationen von Dichtern und Erzählern zu der epischen Kunstform der Erzählung und des Romans entwickelt wurde. Schon das Wort "Roman" geht zurück an diese literarische Form des Mittelalters - der berühmteste von ihnen "Roman de la Rose", ein halbes Jahrhundert später.

All das wäre vielleicht nie geworden, hätte  damals nicht eine so intelligente, selbstbewußte und freigeistliche Frau gelebt, die den Grundstein zu all dem gelegt hatte.

Sie hat die Richtung der europäischen Kultur maßgebend beeinflußt, in einer Zeit, als sie noch sehr zart und empfänglich für alle Einflüße war.

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53. Die Minnegerichte

[181] Es hat Minnegerichte in Frankreich nachweisbar in der Zeit von 1150 bis 1200 gegeben; wahrscheinlich aber reicht ihr Dasein in eine viel frühere Zeit zurück.

Die Damen, die zu Minnegerichten zusammentraten, entschieden entweder über Rechtsfragen, zum Beispiel, ob die Liebe zwischen verheirateten Leuten statthaft sei, oder über besondere Fälle, die Liebende ihrem Spruch unterwarfen.59

Soweit ich mir über die moralische Seite dieser Rechtspflege klar werden konnte, muß man sie mit den Ehrengerichten der Marschälle von Frankreich vergleichen, die Ludwig der Vierzehnte eingesetzt hat.

Andreas, Kaplan des Königs von Frankreich,60 um 1170 schriftstellerisch tätig, erwähnt die Minnegerichte der Damen der Gascogne, der Gräfin Irmgard von Narbonne, der Königin Eleonore, der Gräfin von Flandern und der Gräfin von Champagne (1174); von letzterer erwähnt er allein neun Urteile.

[182] Johann von Nostradamus sagt in seiner Vie des poëtes provençaux: »Die Tenzonen waren Wortkämpfe zwischen sangeskundigen Rittern und Damen über irgend eine schöne und spitzfindige Streitfrage auf dem Gebiete der Liebe. Fälle, über die man nicht einig werden konnte, unterbreitete man zur endgültigen Entscheidung den vorgesetzten erlauchten Damen, die öffentlich und frei in Signe, Pierrefeu, Romanin oder andernorts Minnegerichte abhielten und ihre Urteile abgaben, die sogenannten arrests d'amours. Wahrscheinlich tagte ein und dasselbe Gericht bald im Schlosse zu Pierrefeu, bald in dem zu Signe, einander ziemlich nahen Orten.«

Ein Urteilsbeispiel:

Non decet amare, quarum pudor est nuptias affectare.

Es ziemt sich nicht, die zu lieben, die man zu heiraten sich schämen würde.

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Kategorie:  Geschichte u. Kultur

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