TV-Propaganda beim Sat 1

Die Präsidentschaft von Barack Obama zieht offensichtlich auch in Hollywood ihre Spur. Denn ein Film, in dem eine lüsterne weiße Blondine es mit allen Mitteln darauf abgesehen hat, einen schwarzen Erfolgstyp und fürsorglichen Familienvater zu verführen, hat es noch nicht gegeben. „Obsessed“ ist der Titel des knapp zweistündigen Leinwand-Dramas

 

Soeben habe ich mir eine halbe Sendung der Realityshow "Richter Hold" angesehen.

Diesemal ging es um einen Fall vom Wettbetrug:

Andi ist angeklagt, seinen Ringerfreund Cem vor einer Disco mit einem Schlagring getötet zu haben. Hat er den Ringer umgebracht, weil der einen One-Night-Stand mit Andis Freundin hatte? Oder ist Andi das Bauernopfer einer Intrige innerhalb des Ringervereins?
Richter Alexander Hold war Staatsanwalt und Richter am Amtsgericht in Kempten. Er steht in der erfolgreichen Court-Show-Tradition von Sat.1 und entscheidet Strafrechtsfälle - das ganze Spektrum der Strafbarkeit, vom Drogendealer bis zur Sexualstraftat. Dabei bringt er seine Erfahrung und Persönlichkeit mit der ihm eigenen Souveränität und Gelassenheit ein.

Am Ende stellt sich heraus, dass der böse, korrupte Inhaber des Ringervereins im organisierten Wettbetrugsgeschäft mitmischte, und damit es nicht rauskommt, den Mordauftrag an einen deutschen Sportler verteilte. Sein Name ist Herr Jens. Der Auftragsmörder hieß Robert Hauser und der angeklagte, zu unrecht beschuldigte hatte zwar auch einen deutschen Namen, aber sah doch ein wenig ausländisch aus und sparch mit einem leichten Akzent - wahrscheinlich ein Osteuropäer.

Viele von euch werden jetzt die Geschichte abwinken "Ach, die Realityshows! Wer nimmt sie schon ernst?" - Nun, das ganze Volk. Genau wie damals die Bildzeitung, die angeblich niemand ernst nam, aber dennoch die deutsche Zeitung mit der größten Auflage war/ist.

Der Punkt bei diesen Shows ist, dass hier Klischees verkauft werden. Hier wird Propaganda, Gehirnwäsche betrieben. Bemerkenswert ist an diesen Richter- und Krimi-Geschichten, dass immer gegen die Wahrheit, für die Klischees der political correctnesse gesponnen wird. Auch diesmal, in diesem deutlichen Beispiel. Denn während der Fernseh-Bösewicht ein Herr Jens ist, sind die wahren Täter, die Drahtzieher in den Zeitungsartikeln meistens Türken, aber manchmal auch die italienische Mafia.

Oft kommen Fälle mit Ausländern vor. Zum Beispiel ein Ehrenmord - bei dem aber im letzten Moment sich herausstellt, dass die Kopftucheltern es gar nicht so meinten, dass die deutschen Eltern die bösen Rassisten waren, und sie den Anschlag verübt hatten. Oder bei der Afrikanischen Migrantin: Ihre Verwadte oder geschiedener Ehemann waren nur kulturbedingt ein wenig problematisch, aber der wahre Gewalttäter war der deutsche Ehemann, der die Frau geheiratet und nach Deutschland geholt hatte. Er hatte dann hinterhältigerweise den Anschlag auf sie verübt.  Diese Geschichten erzeugen Klischees, die der Realität komplett entgegengesetzt sind. Während die meisten Handttaschenräuber wie überhaupt die meisten Gewaltverbrecher, Vergewaltiger oder Messerstecher eine gewisse ethnoreligiöse Zugehörigkeit haben, haben die TV-Täter ganz die andere, die der Gegenseite. Woher sollte dann die alte TV-Zuschauerin die Wahrheit erfahren, außer wenn es ihr selber mal die Handtasche geraubt wird?

Solche Geschichten sind sehr wichtig. Ja man kann sogar anhand der Unterhaltungsliteratur das Weltbild und die Ethik entlang der Geschichte herablesen.

Nehmen wir mal das Nibelungenlied: Das Gold der Zwerge zu holen war nichts Verpöntes. Eine Ausländerin zu vergewaltigen und sie mit jemand zu verheiraten, den sie eigentlich nicht haben wollte, konnte man durchgehen lassen. Auch die Rache war leicht verständlich, ganz anders als heute. Aber das allerschlimmste war der Verrat. Verrat und Falschheit sind die Eigenschaften, die man zu der Zeit der Nibelungen zu verurteilen hatte.

Frömmigkeit durch die ganze Zeit der christlichen Vergangenheit Europas war ein wichtiges Thema. Eine Lockerung der Frömmigkeit taucht vielleicht in der Gestalt der gierigen Priester mit vielen Sünden auf (z. B. Bocaccio), oder bei manchen lächerlichen, bösartigen Scheinheiligen.

Die Obrigkeit aber verdient Respekt. Man stellte die Autorität des Königs und der Kirche als solche nicht in Frage. Zu Debatte stand höchstens, ob er der legitime  Monarch oder der Thronräuber war. Diese Moral führt wie ein Faden durch die ganzen europäischen Theaterstücken der Renaissance und Barockzeit hindurch. Reich und adelig galt grundsätzlich als moralisch. Man beachte nur die Moral in R. L. Stevensons Schatzinsel. Kein Problem, wenn ein wohlhabender englischer Landedelmann einen Piratenschatz in der Südsee ausheben wollte. Auch Goethe stellt in seinem Faust die moralische Frage nicht aus der Perspektive des Geldes oder der Standeszugehörigkeit (Adel, Bürgertum, Leibeigenen) sondern aus der Perspektive der leiblichen Wünsche versus geistlichen Enthaltsamkeit - also die moralische Perspektive der Kirchen seiner Zeit.

Aber irgendwann im 19. Jahrhundert taucht eine neue Perspektive auf. Bei Dickens sind bereits die Armen die Guten und die Reichen oft die Bösen. In dieser Zeit hat auch Deutschland sein größtes Moralkodex der Welt geliefert. Es ist weder Nietsche, noch Kant oder Hegel. Es waren die Brüder Grimm. Genau so wie die Bildzeitung am Anfang des Artikels, beeinflußten die Märchen der beiden Brüder die ganze Welt mehr als jede andere Sache. Wahrscheinlich steht ihre moralische Botschaft noch über die der Heiligenbücher, der  Bibel oder des Koran. Gibt es überhaupt jemand, der nicht weiß, dass Aschenputtel das liebenswerte Mädchen ist und nicht ihre zwei Stiefschwestern? Dass die böse Hexe Schneewittchen vergiften wollte, nur weil sie so schön und unschuldig war? Und wissen nicht alle Mädchen, dass sie so sein sollten, wie das Goldmariechen, nicht wie das Pechmariechen?

Ganz krass konnte man die moralische Wende in der Kunst (Romane, Filme) nach dem zweiten Weltkrieg erleben. In Deutschland und in Hollywood hielt sich noch die alte bürgerliche Moral ein paar Jahre (in den 50ern, bis in den 60ern). Im Ostblock ging es rasant, auf Befehl von oben, von der Parteizentrale. Aber die Entwicklung im Westen ging in derselben Richtung und wurde genau so gesteuert.

Während man noch in den Krimis vor der 68er Revolution ein Rätsel aufbaute, ein wenig Spannung und machnmal gar ein wenig Grusel (Edgar Wallace, Agatha Christie, Hitchcock), die aber immer mit dem Sieg des Systems über die Gesetzesbrechern endete, fing man vor ein paar Jahrzehnten auf einmal an, die Täter menschlich zu betrachten, sie zu verstehen und noch mehr, noch schlimmer, bei den Zuschaueren und Lesern um Sympathie und Verständnis für diese kriminelle Täter zu werben, bis dieser hoffte und wünschte, mögen die Täter der Polizei entkommen. Die Opfer, wenn sie überhaupt auftauchten, waren so unpersönlich, wie es nur irgend geht, oder waren gar selber Täter auf ihrer Art. Und die Polizei bekam die Maske von lächerlichen Hampelmännern, wurde zu Prügelknabe, wurde entmenschlicht.

Lächerliche TV-Krimiserien haben diese Gesellschaft viel mehr geformt als die hochintellektuellen Faßbinderfilme. Und genau so tun heute diese billige Sendungen die Menschen bewußt indoktrinieren. Im Auftrag, versteht sich.

In diesen billigen TV-Sendungen könnt ihr das Weltbild herauslesen, das uns vom Establishment aufgezwungen werden soll. Das ist ein kollektives Weltbild, was wir verinnerlichen sollen, ohne es zu hinterfragen.

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