“Islamkritik: Im diskursiven Vacuum”

Der FAZ-Artikel ist etwas schwierig und man muß achtgeben, um ihn richtig zu verstehen. Aber dieser Artikel ist sehr empfehlenswert.  Die Autorin Sonja Margolina erfasst in knappen Worten die grundlegenden Eckpunkte der heutigen Lage. Sie hat genau verstanden, wie die Lage aussieht, wie kaum ein anderer. Sie kann die Unterschiede zwischen dem Kampf des Westens gegen die Ideologie des Ostblocks und der derzeitigen Islamkritik. Sie kann auch die Problematik des abendländischen Werterelativismus begreifen. Sie erkennt auch die Tatsache, dass man heute ein Ausländer (vorzugsweise Moslem, und noch dazu Frau!) sein muß, um ungestraft von der deutschen political correctness islamkritische Äußerungen machen zu dürfen. Ich dachte schon, dass ich allein diese letzte Tatsache bemerkt hätte.  Hier ein Ausschnitt:

Gegen eine Selbstrelativierung der Demokratie

Das Problem der türkischen Menschenrechtlerinnen besteht darin, dass sie mit ihrer berechtigten Kritik an der Parallelgesellschaft und an der Feigheit der deutschen Öffentlichkeit zwischen die Fronten geraten. Das Apodiktische, das Polarisierende an der Islam-Kritik mag deren Schwäche sein, doch es hat ihren Ursprung im Fehlen eines innerislamischen Diskurses, einer Diskussion unter den Migranten, säkularen wie religiösen. Das Milieu für die Auseinandersetzung mit dem „totalitären“ Moment im Islam sollten eigentlich der islamische (türkische) Mittelstand und das Bildungsbürgertum sein. Einen (zahlenmäßig allerdings nicht sonderlich großen) türkischen Mittelstand gibt es hierzulande durchaus.

Doch die erfolgreich integrierten Gruppen scheinen sich mit dem eigenen Fortkommen zu beschäftigen. Die „anatolische“ Unterschicht ist nicht ihr Bier. Andererseits ist bereits eine Schicht entstanden, die von der gescheiterten Integration profitiert. Das sind Juristen, Ärzte, Verbandsfunktionäre, die an den isolierten ethnischen Strukturen gut verdienen und Interesse an deren Fortsetzung haben. Nach einer Zivilgesellschaft sieht es nicht aus.

Allerdings müssen eine Handvoll türkischer Aufklärerinnen im diskursiven Vakuum agieren. Dabei sind Kelek und ihre Gesinnungsgenossinnen keine Dissidenten. Denn der Dissident tritt gegen das herrschende System auf. Sie kämpfen indes für die bestehende Gesellschaftsordnung, gegen eine Selbstrelativierung der Demokratie um der Demokratie willen. Sie sehen diese durch die Mischung vom Patriarchat der Migrantenmilieus und einem religiösen Autoritarismus bedroht. Dass deutsche Meinungsführer ihnen mit scheinliberalen Argumenten in den Rücken fallen, ist deren Armutszeugnis.

FAZ - Der Artikel ist leider viel zu knapp. Diese Sachen hätten eine umfangreiche, gründliche Ausführung verdient.

2 Kommentare:

  1. Angela schrieb am 30. Januar 2010 um 19:56:

    Danke für dieses Link. Der Artikel ist in der Tat lesenswert aber zu “dicht”. Jetzt ist es auch offiziell: Wohl als Strafe für ihre kritischen Bemerkungen dürfen Frau Kelek und Frau Ates nicht mehr an der Islamkonferenz teilnehmen.

  2. ostseestadion schrieb am 30. Januar 2010 um 21:03:

    da haben sowas wie realität und wirklichkeit ja auch nun wirklich nichts zu suchen. oder ?

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