Kassem, der Goethe-Rapper aus Neukölln
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Goethe und Schiller werden sich freuen, denn ab jetzt werden sie nicht nur von den deutschen Kulturkonsumenten geschätzt, sondern auch von den Migranten aus Neukölln:
Weimar - Goethe? Mit dem deutschen Dichterfürst hatte Kassem bislang wenig am am Hut, mit Goethes Hobby noch weniger. "Er hat Steine gesammelt? Ist ja langweilig", ruft der schlaksige 16-Jährige. Er trägt einen Kapuzenpulli, seine dunklen Haare sind kurz geschnitten. Bei der Führung durch das Weimarer Goethehaus betritt Kassem Neuland - in so mancher Hinsicht. In Weimar war der Schüler von der Liebig-Schule in Berlin-Neukölln noch nie, Bücher nimmt er in der Regel nicht in die Hand und die Klassiker von Johann Wolfgang von Goethe und Friedrich Schiller schon mal gar nicht. Im Projekt "KlassikClubCultures" von der Klassik Stiftung Weimar und dem Berliner Verein Cultures Interactive e.V. soll er sich nun ausgerechnet von den beiden zu einem Sprechgesang inspirieren lassen.
In Weimar erstellen die 13- bis 17-Jährigen in vier Gruppen seit Montag eine Woche lang Raps, Graffiti, eine Soundcollage oder Zeitungs- und Radiobeiträge basierend auf den Klassikern. "Das ist eine neue Erfahrung", sagt die 16-jährige Lisa auf die Frage, warum sie an dem Projekt teilnimmt.
"Wir wollen die Akzeptanz bei Jugendlichen für jahrhundertealtes Kulturgut schaffen", sagt Projektleiter Peer Wiechmann. In Neukölln oder Marzahn, wo die 16 Teilnehmer herkommen, bekämen die wenigsten einen Bezug dazu. Das Ziel ist ambitioniert.
Klar ist das Ziel ambitioniert. Die neuen Goethekritiker haben bereits neue Aspekte über den großen Denker der Weltliteratur herausgefunden:
Goethe hatte seine Frau gedisst!
Wußten Sie das, Sie Kunstbanausen, da draußen? Schade nur, dass Goethe und Schiller zu wenig Grundlage für Porno-Rap bieten:
Außergewöhnliche Wörter wie "Götterfunke" und "Sternenzelt" haben sie genommen und eigene Texte daraus gemacht. Sie haben über Reime gesprochen und Rap und klassische Gedichte verglichen. Aus der Gruppe sei der Vorwurf gekommen, dass zu wenig "Porno-Rap" gemacht würde.
Zudem war Goethe Geheimrat! Hört sich das nicht nach 007 an und die kriegen doch bekanntlich immer die schönsten Weiber.