Die kommenden Wahlen – Das deutsche Wahlsystem

In ein paar Tagen ist es so weit. Ihr werdet wählen. Und viele von euch wissen nicht einmal was, oder wen. Ich meine damit nicht diejenigen, die aus politischem Bewusstsein unentschlossen sind, sondern die vielen Millionen Wähler, die keine Ahnung haben. Neulich habe ich ein älteres Ehepaar gehört: Sie fragte ihn, weswegen die vielen Plakate aushängen, weswegen die Kanzlerin nach Stuttgart kommt, was für Wahlen sind das. Sie waren gepflegte, ältere deutsche Leute (Irrtum ausgeschlossen).

Dann hörte ich erst gestern, dass Abiturienten sich nicht mal im Klaren darüber sind, ob irgendwelche bekanntere Parteien, mit deren Plakaten die Straßen tapeziert sind, rechts- oder linksradikal  seien.

Im Anbetracht dieser Tatsachen denke ich immer wieder, dass das deutsche Wahlsystem etwas kompliziert ist. Wenn die Leute nicht mal wissen, was sie gerade wählen sollten, oder welche gröbste Ausrichtung die Parteien haben, wie sollen sie sich mit dem Wahlsystem auskennen?

Und ich muß zugeben, dass ich auch nicht ganz im Bilde bin. Ich glaube gar, dass man besonders interessiert sein muß, um einigermaßen die Wahlen zu überblicken. Ich weiß sehr wohl, dass es zwei Stimmen gibt (ob es zwei sind, werde ich bald erfahren, denn bei den letzten Kommunalwahlen hatte ich 60 Punkte zu vergeben.) Und dass eine für den Abgeordneten in meinem Wahlkreis bestimmt ist, die andere jedoch für irgendeine Partei meiner Wahl. Aber ein gründlicherer Überblick fehlt mir. Ich weiß nicht genau, wann ich mit welchem Wahlverhalten wen favorisiere. Denn hier schaltet schon die äußerst komplizierte Listenlehre und da habe ich bisher nur den Wilhelm Entenmann getroffen, der sich auf Kommunalebene (vermutlich auch auf Bundesebene) mit der Listenlehre auskennt. Es heißt irgendwie, dass nur die Politiker auf den ersten Listenplätzen einen Parlamentssitz ergattern werden. Ihnen ist so ein Sitz fast sicher. Somit müßte ich als gewissenhafte Wählerin die obersten Listenkandidaten aller Parteien studieren, um zu entscheiden, ob ich ihn dorthin wünsche oder nicht. Aber wer macht das schon?

Andererseits sagen die Experten, dass das deutsche Wahlsystem vergleichsweise gerechter ist, als einfachere Wahlsysteme. Aus diesem Grund wurde sie von einigen jüngeren Demokratien abgekupfert. Nur glaube ich inzwischen nicht mehr so uneingeschränkt solchen Aussagen, wenn ich sie nicht geprüft habe. Und wenn ich die Auswirkung dieses Systems auf die Wahlergebnisse nicht genau überblicke, wie sollte ich sagen, ob es gerechter oder ungerechter ist?

Die Aussage über die Gerechtigkeit könnte stimmen. Aber andererseits bin ich ein Anhänger der einfachen Systemen und des Durchblickens. Wie soll ein System gerecht sein, wenn die Wähler es nicht überblicken? Und  dass eine Menge Bürger es nicht überblicken, dessen bin ich mir ganz sicher.

So hätte ich selber früher bedenkenlos meine Zweitstimme den Grünen gegeben (habe ich 1998 getan) einfach aus der Überzeugung, dass ich was Gutes für die Umwelt tu. Ich hätte mir dabei wahrscheinlich die Listenkandidaten der Grünen ansehen sollen. Wenn ich gesehen hätte, wie viele Moslems durch die Listenplätze ins Parlament kommen, wäre ich bereits damals hellwach geworden.

Was glaubt ihr denn? Wie viel Prozent der Wähler überblicken dieses Wahlsystem? Ist es ein gutes und gerechtes System? Oder wäre ein einfacheres System wünschenswert?

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Kategorie:  Wahlen

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