
Flechte auf einer Ast könnte man mit den Migranten gleichsetzen, die eine Wurzelpflanze überwuchern.
Neulich fand ich in einem soziologischen Buch über Migration den Begriff Transnationalismus. Verkoppelt zu diesem Begriff sind einige Phänomene, die von den überwanderten Einheimischen grundsätzlich abgelehnt werden - oder wären, wenn man sie über das Phänomen aufklären würde. Hinter dem Rücken der Seßhaften europäischen Bevölkerung wird versucht, den Transnationalismus mit allen Mitteln durchzusetzen. Hier eine kurze Darstellung des Transnationalismus:
An der Schwelle zum neuen Säkulum befanden sich rund 125 Millionen Menschen rund um den Globus außerhalb ihrer Herkunftsregionen. Das 20. Jahrhundert ist zum „Zeitalter der Migration“ erklärt worden - doch die westlichen Aufnahmegesellschaften begriffen (und begreifen) das Problem nur unter dem eingeschränkten Aspekt ihrer ökonomischen und kulturellen Belastbarkeitsgrenzen. In der Debatte über Globalisierung werden Stichworte wie „Entortung“, „Transkulturalisierung“ oder „Transnationalität“ zunehmend mit Vorstellungen eines imaginären Charakters von Nation und Ethnizität in Zusammenhang gebracht. Deutlich wird das vor allem durch die Übertragung des ursprünglich nur in ökonomischen Zusammenhängen verwandten Begriffs des „Transnationalismus“ auf die neuen Erscheinungsformen ethnischer Diasporen. „Diaspora“ - ein aus der jüdischen Tradition stammender Begriff – ist zum Synonym für Entortung nicht nur von materiellen Existenzen, sondern auch des Gedächtnisses geworden. Das „Transnationalismus-Modell“ eröffnet einen erweiterten Blick auf gegenseitige Abhängigkeiten, soziale Eingliederungen und kulturelle Identitäten jenseits des Nationalstaates. Migranten begreifen den Prozess der sozialen Integration und kulturellen Selbstbehauptung zunehmend als transnationale Perspektive einer neuen Kulturidentität.
Migranten bilden in den übewanderten Gebieten einen neuen kulturellen Konglomerat - häufig gegen den Willen der seßhaften Bevölkerung - und dieser Kulturkonglomerat verlangt dann Berechtigung, Gleichwertigkeit und zuletzt die Hägemonie über die einheimischen traditionellen Kultur. Dies kommt z. B. in solchen Formulierungen vor, dass die abendländische Kultur nur die seßhafte, nationale Gesellschaftsform akzeptiert, aber die Menschheit hätte seit je her die Gesellschaftsform der Migration als gleichwertig gelebt. Eine andere Komponente des Phänomens des Transnationalismus ist die doppelte Staatsbürgerschaft.
In der Biologie könnte man die Migranten und die von ihnen gebildete Kulturform des Transnationalismus mit den Pilzgewächsen u. ä. gleichsetzen. Der Wirt (einheimische Gesellschaft mit Wurzeln) wird von diesen Pilzgewächsen überzogen, indem diese eine Decke bilden - sozusagen die transnationale Kultur. Aber eine transnationale Decke ist in sich selber nicht überlebensfähig, sie braucht den Kulturboden der Seßhaften, auf denen er gedeiht.
Transnationalismus ist "der Prozess, durch dem die Migranten ihre diversen sozialen Bindungen aufrechterhalten, mit der sie ihre Entsendegesellschaft und die Aufnehmergesellschaft mit einander verbinden", sagte Basch in 1994.
Die transnationale Gemeinschaft (der Migranten) gibt einen Einblick in die unheimliche Komplexität des Migrationsprozesses in unseren Tagen. Einige Experten verwechseln den Transnationalismus mit der Globalisierung und meinen, die Urasachen des Transnationalismus liegen in der Globalisierung. Sie übersehen dabei, dass die Entsendeländer, die ja marginale Gesellschaften und keine entwickelte Industriestaaten sind, versuchen, den neuen Lebensraum ihrer transnationale Bürger zu modelieren.
"Die Rolle der Entsendeländer in die Gestaltung der transnationalen Gemeinden und der postnationalen Staatsbürgerschaft verlangt für gründliche Analysen." (Seite 90)
Solche Sätze zeigen, wie bedeutend dieser Begriff ist und welch monstruöse Ziele sich dahinter verstecken. Ich kann allen Islamkritikern dringend empfehlen, sich mit diesem Phänomen zu beschäftigen, die in der Soziologie seit 10-20 Jahren ein Thema ist. Wer Englisch kann, findet einen ganzen Kapitel zum Thema in Hollifields und Brettels Buch. Aber auch auf deutschsprachigen Seiten (z. B. Wikipedia) findet man einiges.