Über die Herkunft der Religionen

Ich lese diese Tage die Broschüre meines Mitstreiters Eckhardt Kiwitt, Das Islam-Prinzip.

Da ist mir auf der Seite 16-18 aufgefallen, wie er die Herkunft der Religionen definiert.

Auf das Bild klicken, um den Zitat zu lesen.

Das ist eben die offzielle wissenschaftliche Version, so wie die Materialisten sie darstellen. So hatte man es in den Schulen des Ostblocks auch vermittelt. Aber ehrlich gesagt ist diese darstellung veraltet und vor allem falsch.

Die Religionen sind nicht einfach lokal aus dem nichts entstanden, so wie diese Sichtweise sugeriert. Beispielsweise hat die heutige Voodoo Religon ihre Vorgänger im Animismus an den Küsten Westafrikas (die Herkunftsgebiete der ehemaligen Sklaven) und im jenen Christentum, den die ehemaligen Sklaven von den europäischen Kolonialherren erlernt hatten.

Bedauerlich, dass es heute über die Herkunft der Religionen kein allgemein verbreitetes wissenschaftliches Konsens gibt, so wie z. B. über die Evolutionstheorie, über die Verbreitung der Menschen, oder eben über die Herkunft der Sprachen. So wie man seit den Gebrüder Grimm, die hervorragende Linguisten waren, weiß, dass Sprachen sich aus anderen, früheren Sprachen entwickelt haben und je nach Nähe zu einander hat man Sprachverwandtschaften festgestellt - jene mysteriöse indo-germanische Sprache, der die meisten europäischen Sprachen entstammen. Seltsamerweise gibt es keine einheitliche Theorie der Herkunft der Mythen in derselben Art, obwohl die Mythologen und Religionswissenschaftler sehr wohl die Herunkunft der einzelnen Mythen-Elementen erforschen oder die Verwandtschaft zwischen den einzelnen Elementen oder Religionen erkennen. Die objektive Forschung wird häufig von den Geistlichen der jeweiligen Religionen verhindert oder eben mit der subjektiven religiösen Forschung verdrängt, überdeckt.

Am weitesten bekannt dürfte sein, dass die biblische Sintflut Vorgänger-Mythen in der sumerischen Mythologie hat. Viele viele Elemente einer Religon sind auf Vorgänger rückverfolgbar. So stammt unser heutiger Gottvater von einem gewissen orientalischen Prototyp ab, der irgendwo zwischen dem Zweistromland und Israel entstanden sein durfte. In seiner Jugend hatte er auch eine Frau (Ishtar/Astarte/Astarot usw.), von der er später immer mehr geschieden wurde. Die Frau starb dann am Ende ganz ab, sie verschrumpelte einfach zu nichts. Ein anderer Vorvater unseres Gottvater-Typus ist eben der Familienvater der antiken Götterfamilien, von Zeus, über Jupiter bis hin zum germanischen Odin/Thor. An diese Götterfamlien glaubten vor allem Völker Indogermanischer Herkunft. Ihr Gottvater ist dermaßen charakteristisch, dass man keine Schwierigkeiten hat, die gemeinsamen Elemente zu erkennen: Bärtig, verheiratet, patriarchal, aber auch kriegerisch: Er hat  eine Waffe - den Blitz, Mjolnir, Doppelaxt des Jupiter-Dolichenus o. ä.) hat irgendwann einen kosmischen Krieg gegen die Weltenschlage/Drache ausgefochten und er hat ein paar uneheliche Affären.

Die Befruchtung der zwei Göttertypen und Mythentypen mit einander will ich hier abgekürzt mit einem einzigen Bild darstellen:  Das ist ein byzantinischer Jesus. Er sieht aber genau so aus, wie ein Jupiter-Dolichenus und so wenig wie ein Jesus: Sogar das Kreuz hält er wie Jupiter Dolichenus seine Waffe. Er hat gerade die Weltenschlange und den Löwen besiegt.

Christus militans, byzantinisches Mosaik um 520

Und hier ein, zwei Bilder von jenem streitbaren Jupiter-Dolichenus, dem beliebten Soldaten-Gottvater:

Wie meine Stammleser wissen, bin ich eine Agnostikerin. Wenn es Gott gibt, dürfte er am besten selber wissen, woher er kommt. Damit habe ich nichts zu tun. Mir geht es hier um die Gottesdarstellungen in den Religionen, wie auch um die Entwicklung der Religionen selber aus früheren Religionen.

Ich hoffe, dass mein Mitstreiter Kiwitt mir diese Richtigstellung verzeiht. In seinem Text hat der Unterschied keine Bedeutung. Eine Bedeutung hat die unterschiedliche Sichtweise erst dann, wenn man die einzelnen religiösen Mythen nur in ihrer heutigen Erscheinungsform wiederlegen will, ohne Berücksichtigung des evolutiven Werdegangs (bei Wörtern würde man ohne Berücksichtigung der Etymologie sagen). Ich merke immer wieder, wie falsch manche Leute in solchen Fällen argumentieren.

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5 Kommentare:

  1. democrates schrieb am 7. April 2009 um 23:22:

    Es gibt eine funktionelle Unterlage aller Religionen und Ideeologien.
    Deren Ursache wiederum liegt im Selbstorganisationsprinzip des Universums.
    Dieses treibt (ebenso wie biologische) auch die Entstehung informationeller Lebensformen, schätzungswiese seit ca. 4 Mio Jahren, voran.
    Momentan befinden sich diese noch in einer relativ primitiven, neuroparasitischen Entwicklungsstufe.
    Ich nenne deren momentan höchste Entwicklungsstufe (Alter ca. 10000 Jahre) HumanNeuronalViren (HNV).
    Mythologisch gesehen entsprechen sie den Geistern und Dämonen.
    Sie sind wiederum Bausteine von teilwise extrem gefährlichen HNV-Netzen, welche diverse Religionen und Ideeologien als neurotopische Überlebensstrategie ausbilden.

    Man beachte, dass deren ideeologischen Inhalte (Götter, Scheinwelten, Idole, Schlaraffenländer usw.) reine Manipulationswerkzeuge der HNVs bzw. der von ihnen gesteuerten Infektor-Geistlichen sind.

    HNVs werden im Gehirn mittels MRTs über neuronale Stoffwechselaktivitäts-Vergleichstest nachweisbar sein.

    Der HNV-netzkontrollierte automome Einzelknotentod (Selbstmordatentäter) wäre damit dedektierbar.

    Eine Gesamtbeschreibung aller Phänomene der informationellen Selbstorganisation würde Bücher füllen.
    Mir fehlt leider die Lebenszeit diese zu schreiben.

  2. Gareth schrieb am 8. April 2009 um 07:32:

    Kybeline du meinst wahrscheinlich TYR nicht Thor...dem Pop-Gott der Deutschen :rolleyes
    http://de.wikipedia.org/wiki/Tyr

    Die Parallelen zur ägyptishen Mythologie sind nicht nur aus kulturellen Gründen nahe liegend. Moses war Ägypter und im Gegensatz zu ihm hatte sein Bruder Aaron noch etwas mehr Ahnung von der geltenden Religion (Goldener Stier).

    Btw: "„Meine Mutter, eine Hohepriesterin, wurde mit mir schwanger."

    Es gibt aber auch Leute die sich die Mühe gemacht haben tatsächliche Beweise nach dieser Person zu suchen.

    Einer der Vorschläge, der große Resonanz gehabt hat, ist die auf E. A. Knauf zurückgehende Gleichsetzung Mose mit „By“ / „Beja“, einem Würdenträger der 19. Dynastie, der unter Sethos II. amtiert und bei der Inthronisation dessen Nachfolger Siptah eine wichtige Rolle gespielt haben soll.[44] Sein Titel ist als „Großer Schatzmeister des ganzen Landes“ überliefert und er soll unter Sethos auch die Funktion des Kanzlers ausgeübt haben.

    Dieser Beja ist ferner mit dem in der Stele von Elephantine als „Irsu“ – vielleicht ein Spottname – genannten Anführer der Asiaten identifiziert worden, die in der Zeit von Ramses III. gegen die ägyptische Herrschaft einen Aufstand versuchten und aus dem Land vertrieben wurden.[46] Die Entsprechungen der Notizen über Beja-Ramses-Irsu mit der Moseüberlieferungen seien in einigen Texten des Exodus zu suchen, die Mose als „Groß im Land Ägypten“ angeben (Ex 11,3b EU) und von einer „Plünderung“ der Ägypter von Seite der ausziehenden Israeliten berichten (Ex 12,35.36b EU).[47]

    Abgesehen davon gibt es Beweise, daß z.B. Noah Utnapischtim aus dem Gilgamesh Epos entspricht. Der Gilgamesh Epos wurde für Genesis teilweise wörtlich kopiert.

    Aber mir ist natürlich klar warum dir Christus Militans so gut gefällt. Als Krieger gegen die "Andersgläubigen" ;)

    Das erste Bild „Christus Militans“ stellt Jesu in einem Mosaik aus dem 6. Jahrhundert als Soldaten dar, der einen Löwen und eine Schlange (vermutlich beides Symbole des Bösen à Schlange verführte im Paradies Eva) unterworfen hat.

    Da das Internet leider nichts zu diesem Mosaik bot, versuche ich das Bild alleine aus dem historischen Kontext heraus zu erklären.

    Anfang des 6. Jahrhunderts zerbröckelte das Römische Reich; der Germanenansturm (Völkerwanderung) und der Islam, welcher sich nun im vorderen Orient, in Nordafrika, in Sizilien und in Spanien ausbreitet, bereiten dem Christentum einige herbe Rückschläge. In diesem Zusammenhang wird Christus hier als Soldat dargestellt, denn er muss und soll das Christentum für einen Kampf um die Existenz wappnen – Nach dem Motto: Entweder werden wir Auge um Auge, Zahn um Zahn zurückschlagen, oder wir verlieren unsere „wahrhaft“ Glaubenden. Die Christen müssen ihre Feinde niederwerfen und, zumindest in Europa, ihre alte Machtposition wiederherstellen. Ich denke aus diesem Mosaik kann man auch erkennen, dass sich der Hass gegen die Moslems und den Islam schon im 6. Jahrhundert formierte, denn nur 400 Jahre später waren die Christen so stark, dass der 1. Kreuzzug eine Epoche des Blutvergießens im Christentum einläutete und nur um die Heilige Stadt (Jerusalem) aus den Händen der „Ungläubigen“ zu „befreien“ (Anmerkung: Hier würde besser passen zu säubern.). Jetzt ist nur noch die Frage offen, warum es nicht schon früher zu einem Kreuzzug gekommen ist, schließlich war der Hass ja schon fundiert. Vielleicht waren Uneinigkeit und fehlende Initiative der Grund dafür, denn an Geld konnte es sicherlich nicht mangeln, da viele römische Patrizierfamilien dem Christentum, das im Römischen Reich Staatsreligion war, angehörten. Der Glaube an einen Sieg gegen das Böse (Verweis auf Schlange und Löwe im Mosaik) war jedoch schon vorhanden; sodass es nur eine Frage der Zeit war, wann alle Feinde im Auge des Christentums niedergeworfen werden würden.

    à Lat. Wörter im Mosaik (keine Gewähr) Ego: Ich

    Veri: Wahrheit

    Sum: es gibt; existiert

    Taset: / unbekannte Form

    Via: Weg

    Vita: Leben

    Das aus dem ersten google Ergebnis: http://www.beepworld.de/members/domi1312/referate.htm Ist dir sicher auch nicht entgangen hm? ;)

    Ansonsten ist das wohl kaum das gängigste Bild/Charakterisierung von Jesus.
    Außerdem war Die Person Jesus tatsächlich existent im Gegenteil zum Provinzgottchen Iupiter Doliche z.B.
    Ach ja die Bilder dort stammen aus dem 3.Jahrhundert...

    Wenn schon Römer&Kunst dann wohl eher der hier: http://de.wikipedia.org/wiki/Mithras
    Er hatte auch einen Heiligenschein wie es sich in der christlichen KUNST später durchgesetzt hatte. Aber bei Sonnengöttern waren wir schon mal.

    Das war wohl wieder was aus der untergründigen Propagandaecke hm? ;)

    @democrates:
    Alter Schwede...ich dachte Pit wäre weird.

  3. Kybeline schrieb am 8. April 2009 um 07:36:

    @demokrates

    Die religiöse Vorstellungen der Menschen sind viel älter als 10.000 Jahre. Auch der Neadertaler hatte sie und sie durften mit unseren religiösen Vorstellungen nicht unverwandt sein, da er z. b. seine Tote bestattete (in rote Erde, wie viele Nachfahren!) und gab ihm Grabbeigaben.

    Auch einige Mythen fanden sich auf verschiedenen Erdteilen, die darauf hinweisen, dass noch vor dem Ende der letzten Eiszeit (vor 12.000 Jahren) bereits diese Mythen existierten. Namentlich der Kampf zwischen dem Donnergott und der Schlange gibt es bei den Cheyennen wieder.

    Bekannte von mir hatten nachgewiesen, dass Ureinwohner Amerikas auch im Messwesen Gemeinsamkeiten mit den Antiken der alten Welt hatten (z. B. bei der Vermessung der Tempel)

    Ich selber bin überzeugt, dass eine Urmythologie bereits in der Zeit, wo die Lingvisten die Protosprache (siehe auch eurasische Urspachen) ansiedeln, vorhanden war und sie sich mit der letzten Verbreitung des homo sapiens verbreitete. Natürlich gaben auch chtonische Religionselemente, die sich nur lokal entwickelten.

    Aber das Feld ist nicht erforscht. Verglichen mit der Erforschung der Sprachen und deren Herkunft ist die Erforschung der Mythen kläglich blockiert von den heutigen großen patriarchalen Religionen.
    Die besten Beiträge leisteten noch die feministischen Forscher, aber auch ihre Arbeit ist ideologisch zu sehr verklärt.

    Sie haben aber Elemente der alten matriarchalen Kulte bis über 100.000 zurückverfolgen können. (natürlich nicht unumstritten)

    Diese Protosprache dürfte es gegeben haben, denn man kann gemeinsame Wortstämme weltweit finden. Und ihre Entwicklung dürfte mit der biologischen Entwicklung der Sprachorgane zusammen Fallen (siehe Forschung) In einigen wissenschaftlichen Abhandlungen ist das Abrutschen des Kehlkopfs nach unten (bei Babys etwa bei 2. Jahren) vor etwa 100.000 Jahren passiert - aber das ist so pauschal hingesagt, glaube ich.
    Andere Forscher haben nachgewiesen, dass der Neandertaler auch sprechen konnte. Ein anderes Indisz für die Sprache ist die Lokalisierung des Sprachzentrums. Die haben dafür die Schädelfunde und meinen, von der Wölbung erkennen zu können, ab wann der Mensch sprechen konnte.

    Und ich sage dazu: Wann immer es war, der Mensch hat mit seiner Sprache auch seine kulturellen Vorstellungen verbreitet, wie man anhand der Verbreitung der mythischen Elementen erkennen kann.

  4. democrates schrieb am 8. April 2009 um 17:10:

    @Kybeline

    Ich stimme Ihnen auf Ihrer eher symtomdokumentativen Pradigmenebene voll zu.

    Sie fragten aber nach der Herkunft bzw. Grundlage der Religionen (welche bereits auf Matrixphänomenen beruhen).
    Mir ging es darum die elementaren Grundlagen der Phänome zu beleuchten.
    So etwa wie Genetik die elementaren Grundlagen der Evolution der Arten beleuchtet,
    beleuchtet der Ansatz informationeller Selbstorganisation die Entstehung und Funktionsweise informationeller Lebensformen.

    Sie, bzw. die Leser ihres Blogs sind mit dem Phänomen einer pandemischen, neuroparasitären Matrix informationeller Neurotopenviren konfrontiert, welches sie u.a. grüne Pest nennen.

    Auf der Paradigmenebene der Informik bzw. Informatrix sind mögliche Fragen zu dem Phänomen durchaus beantwortbar.

  5. Blog » Blog Archive » Religionen schrieb am 9. April 2009 um 06:45:

    [...] das für den Geist dieser Religion, das Gottesbild? (Dieser Beitrag ist eine kleine Anmerkung zu: http://www.kybeline.com/2009/04/07/uber-die-herkunft-der-religionen/#more-3703) Was Voodoo betrifft: Schon sehr früh wurde Jesus als Wundertäter in Zaubergebete eingeflochten, [...]

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