Neue Badezimmerlektüre: Die Geburt Europas

Varga Domokos - Die Geburt Europas (leider gibt es keine Übersetzung)

Ich weiß, dass meine fürchterliche Rechtschreibung für meine Leser eine Zumutung ist und ich bin euch dankbar, dass ihr trotzdem dabei bleibt. Das zeigt mir, dass das, was ich schreibe, so wichtig ist, dass man  dafür bereit ist sogar meine Rechtschreibung in Kauf zu nehmen.

Die Kompensation, die Wiedergutmachung, kommt durch  meine "multikulturelle" Sichtweise, und dadurch, dass ich dann auch solche Bücher zeigen kann, wie das hier. In den diversen Beschreibungen nennt man es ein Essay. Und in der Tat ist es schwer, es als reine historische Fachliteratur einzustufen. Die Experten an den Universitäten wären damit nicht einverstanden, denn der Autor stellt keine Bibliographie auf, gibt nirgendwo eine Quelle zu seinen Erklärungen oder Zitaten an. Aber es reicht auch so. Das Buch ist ein Augenöffner. Nachher kann man selber hingehen und die Fakten prüfen. Im Gegenteil, wenn man das Buch unvoreingenomen durchgelesen hat, wird man es nachher schwer haben, die Geschichte des Mittelalters weiterhin durch die  Brille der gutmeschlichen Geschichtsschreibung zu sehen.  Und ich muß gleich hinzufügen, dass ich keine andere Gesamtübersicht zu dieser Zeit und zu diesem Thema kenne.  Es gibt viele interessante Übersichten zu dem Zerfall der Antike, zu dem Untergang des Römischen Reiches. Dann gibt es wiederum einige Übersichten zu dem mittelalterlichen Islam, mit den angeblichen wissenschaftlichen Bereicherungen und auch haufenweise Übersichten zu den Kreuzfahrten und alles, was danach kam.

Aber was dazwischen war, Sense! Ich meine, es gibt haufenweise spezielle Sachbücher, z. B. über die Franken, den Merowinger, archäologische Grabungen die sich mit den einzelnen Stämmen beschäftigen, mit der Landwirtschaft oder mit den Handelswegen, dann später mit dem Aufkommen der Bürger usw. Aber keine Gesamtübersicht. Deswegen wird der Öffentlichkeit das Mittelalter als das "Finstere" verkauft. Die Antike, die war wunderbar: Voll mit den wunderbaren Leistungen der Griechen und Römer, mit den großen Phylosophen, Schriftsteller, Historiker, Baumeister, Kaiser - und die Krönung all dessen war das Römische Reich mit dem komplexen Verwaltungswesen.  Und dann kommt das dunkle, finstere Mittelalter - natürlich schuld daran war die Kirche, allem voran das römisch-katholische Christentum. Das alles endete nach dieser ideologisch verklärten Darstellung der heutigen Historiker mit der Zeit der Renaissance, mit den großen Entdeckungen mit dem Humanismus und so weiter und so fort, als die ersten großen Wissenschaftler sich mit der Kirche angelegt hatten - und am Ende die Kirche besiegten, obwohl die Kirche sie am Scheiterhaufen verbrannte (steht auch hier bei mir in den Kommentaren)

Keiner macht sich gedanken darüber, dass dieses wunderbare Antike nicht in Berlin, Hamburg oder in Lübeck blühte, sondern allem voran in Rom, in Athen, Alexandria und später in Konstantinopel. Sogar in denjenigen Provinzen, die sich innerhalb der Reichgrenzen befanden, war das Kulturleben recht karg. Hier und dort findet man die Fundamente einer Villa, aber es muß hier das Land der letzten Hinterwäldler gewesen sein, verglichen mit den südlichen Provinzen bis hin zu Lybien und Tunesien, wo man überall Amphitheater und große Tempelruinen findet.

Also hier gab es heine glorreiche Antike, die vom "finsteren" Mittelalter plattgewalzt wurde.  Hier gab es den Teutonburger Wald, die Landschaften und Gesellschaften, die Tacitus beschreibt, oder die uns die Archäologen zeigen. Und dann geschah hier irgendwas, denn aus dem nichts tauchten Burgen und Städte auf. Die meisten Städte Deutschlands und der gesamten West- und Nordeuropas wurden im "finsteren" Mittelalter gegründet.

Jürgen Sydow sagt:

Das 12. und 13. Jahrhundert, denen wir uns nunmehr zuwenden, können als Scheitelpunkt der Entwicklung in der Stadtgeschichte angesehen werden. (hier mehr)

Das läßt bereits erahnen, dass wichtige kulturelle Entwicklungen in diesem "finsteren" Mittelalter stattgefungen haben, die aus den Hinterwäldlern mit ihren komischen kleinen Dorfgemeinschaften Bürger werden ließen, die Burgen und Städte bauten, die auf einmal anfingen, großen in den Himmel ragenden Kathedralen zu erbauen und den Weg in die Renaissance vorbereiteten. Irgendwie muß dieser "finstere" Mittelalter vor Vitalität gestrotzt haben.

Finster kann es demnach nicht gewesen sein. Finster wurde es erst, als die Geschichtsschreibung unserer Zeit ein schwarzes Tuch darüber ausbreitete. Die Zeit zwischen 307 und 1237 ist Thema des Buchs. Davon will ich euch eher die zweite Hälfte des ersten Jahrtausends näher bringen, denn das ist die am meisten verklärte Zeit von den heutigen Geschichtsschreibern. Und hier hatte die Kirche eine lebenswichtige Rolle gehabt. Das Buch durchleuchtet auf 184 Seiten diese Zeit. Und schon der Titel zeigt, dass wir es mit keinem Mittelalter-Bashing zu tun haben. Das Wort Geburt deutet schon eine positive Entwicklung an. Diese Sichtweise ist aber berechtigt, denn diese Entwicklung führte zu der heutigen Zivilisation, die zuletzt bis zum Mond und zum Mars fliegen konnte.

(Fortsetzung folgt)

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