Die Bilderlosigkeit im Islam und ihre kollektivpsychologische Folgen

Hier ist der erste Beitrag aus meiner neuesten Badezimmer-Lektüre:

Das Schwarzmond-Tabu. Die kulturelle Bedeutung des weiblichen Zyklus von Jutta Voss

Schon in der Einführung finde ich eine bemerkenswerte Aussage, die meiner Meinung nach zu wenig im Bezug auf den Islam diskutiert wird.

Alles, ws ich gelernt, entdeckt und oft genug nur kopfschüttelnd erkannt habe, verdanke ich diesen Bildern aus uralten und alten Zeiten, verdanke ich dem "schauen", das im Buddhismus eine zentrale Übung der Meditation ist, was auch den empirischen Aspekt des Wiederholbaren mit einschließt. Diese Bilder führten mich zum Wesen hinter den Bildern, zu den unsichtbaren Anteilen der echten Symbole. Das Schauen ist die Grundlage des Wissens. Weisheitliches Wissen ist unmöglich ohne Schauen des Konkreten. Alles Wissen hat seinen Ursprung im Schaen der Wirklichkeit, wie sie ist uns wie sie wesentlich ist. Schauen führt zur Erleuchtung ,sagt Buddha.

(...)

Da Bilder matriarchale Geschichtsschreibung sind, habe ich mich auf einen Dialog mit ihnen eingelassen, der mich als Subjekt völlig mit einbezogen hat, mich mythisch-matriarchal denken und fühlen lehrte. Diese Art der weisheitlichen Unterweisung war für den Entwicklungsprozeß der Arbeit ungemein wichtig, war vorrangig. Den Bildern habe ich mehr geglaubt als deren Beschreibungen in "wissenschaftlichen" Interpretationen, die leider allzuoft unerträglich misogyn waren. (Seite 10)

Die Autorin ist vom Beruf Psychoanalytikerin. Wenn irgendjemand, dann sie kann uns die Bedeutung der Bilder für uns, für unsere Lernfähigkeit und Erkenntnisfähigkeit sagen. Wie ihr, jeder einzelne von euch, mit der Hilfe von Bildern unterrichtet wurdet, das kennt ihr: Lange bevor Kinder lesen und schreiben lernen, bekommen sie Bilderbücher und Kinderbilder an die Wand der Kinderstube. Dann bekommen sie Papier und Stift. Sie zeichnen und Malen lange bevor sie schreiben. Mein erstes Schulbuch war voll mit Bildern und Graphiken haben das Lernen bis an der Universität begleitet. Bestimmte Fächer können ohne visuelle Graphiken die Zusammenhänge gar nicht erklären. Dazwischen hatten aber Bilder mein Charakter gebildet und geprägt, meine Erkenntnisfähigkeit erweitert.

Auf kollektiver Ebene zu der Entwicklung der Menschheit kann man dasselbe erkennen: Lange bevor der Mensch die Schrift erfand, hat er zu zeichnen gelernt:

Vogelmensch aus der Höhle von Lascaux, Südfrankreich (ca. 17.000 Jahre alt). Es gibt Zeichnungen und Plastiken, die mehrere Hunderttausend Jahre alt sind.

Die Entwicklung von Wissenschaften ist ohne visuelle Mittel gar nicht möglich gewesen. Kartographie entstand dadruch, dass man die Landschaft aufzeichnete; die Architektur konnte nur mit der Hilfe von Modellbauten richtiggehend entwickelt werden. Anatomie, Botanik, alle Naturkunden haben sich den bildlichen Darstellungen bedient. Wie eng die wissenschaftliche mit der künstlerischen Kreativität umschlungen ist, zeigt die Person des berühmten Renaissance-Malers und Wissenschaftlers Da Vinci:

Als die Europäer sich auf Reisen begaben, hatten sie die exotische Wunder, die sie erlebten, in Bildern festgehalten und den daheimgebliebenen gezeigt:

Kinder, die die Welt nicht live erleben konnten, sammelten die vielen kleinen Bildchen auf Briefmarken.

Die Bilder drängen so tief in unserem Wesen hinein, dass wir ohne sie nichts wahrnehemen, nicht einmal denken können. Es heißt "ich stelle mir vor...", "ich sehe es so...", "ich mache mir ein Bild davon...", "sich weiterbilden". Wenn die Psychologen unseren Unterbewußtsein untersuchen wollen, bedienen sie sich auch unserer visuellen Vorstellungsfähigkeit, wie beim berühmten Rorschachtest.

All dem setzt der Islam sein Bilderverbot entgegen. Mohammed hat jegliches Abbild der Natur verboten.

Sure 3, Vers 6; Sure 7, Vers 11; Sure 40, Vers 67. In Sure 59, Vers 24

Auch das Judentum und Christentum kannte teilweise den Ikonoklasmus: Verbot von Bilderverehrung, das Verbot, Gott oder irgendwelches religiöse Zubehör bildlich darzustellen (Heilige Mutter, Hölle, Paradies, sonstige Heilige usw.) Aber Mohammed hatte die Bilder grundsätzlich verboten. Das ist eine Ungeheuerlichkeit ohne Gleichen. Es ist ein so tiefgreifendes Gebot, als ob man die Sprache verbieten würde. Man verbietet das ganze visuelle Denken, die ganze visuelle Kreativität. Deswegen waren die islamische Kulturen gar nicht zuerst zu eine wissenschaftliche Leistung und zu eine künstlerische Kreativität fähig, weil ihnen das visuelle Denken unterbunden war. Sie kopierten die vornehmlich die Wissenschaften anderer Kulturen aber sie konnten sie nicht maßgebend weiterentwickeln. Sie konnten Bilder kopieren, aber sie konnten nicht eine eigene Darstellungsweise entwickeln. Das sieht man am besten in der Kartographie. Der türkische Admiral Piri Reis hat seine Karte aus portugiesischen und spanischen Quellen kopiert. Er kopierte aber auch die radiale geometrische räumliche Darstellung, obschon der türkische Navigationssystem anders gewesen sein mußte, als der europäische:

Zu manchen Zeiten haben viele islamische Kulturen den Bilderdarstellungsstil der eroberten Völker oder der Nachbarkulturen übernommen. Aber sie entwickelten sie nicht weiter und nach einer Weile starb die Kunst ab. Im Islam konnten dauerhaft nur abstrakte Mosaiken und ein paar zaghafte Pflanzensymbole überleben, wie man sie oft im Teppichkunst sehen kann:

Das Bilderverbot wird zwar heute von vielen Moslems durch die vom Abendland entwickelten technischen Mitteln wie die Fotographie, Filmaufnahmen u. ä. überwunden. Da es zu Mohammeds Zeit keine Fotographie gab, konnte er sie auch nicht verbieten. Aber schon solche Teufelsdinge wie ein Bilder-Koran für Kleinkinder sind richtig betrachtet verboten. Und es gibt immer wieder Religionsgelehrten in den islamischen Kernländern, die die freizügige, verwestlichste Moslems auf den Boden der islamischen Tatsachen zurückpfeifen. Und der Boden der islamischen Tatsachen ist im Zweifelsfall immer der Koran, die Gebote Mohammeds. Jeder Reformer, jeder Islamrat und jeder Dorfgelehrte in der ganzen Welt kann kommen und behaupten, dass dies oder jenes islamisch bzw. unislamisch sei. In diesen Zweifelsfällen blicken alle Moslems in den Koran - das Wort Mohammeds, das Wort des islamischen Gottes, die einzig unverrückbare Wahrheit. Und da drin steht das Bilderverbot.

So wie die weibliche Genitalverstümmelung in manchen islamischen Gegenden den Frauen ein Sexual-Orgasmus unmöglich macht, so wie die Lotus-Füße den chinesischen adligen Frauen einst das Laufen unmöglich machten, so ist das umfangreiche BIlderverbot eine tiefgreifende kollektive Verstümmelung der Kreativität und des Geistes.

Mouhannad Khorchide, Imam und Islamwissenschafter an der Universität Wien

"Es hat Jahre gedauert, bis Prophet Mohammed den Gedanken des Monotheismus durchsetzen konnte. Die damalige Religion der vorislamischen Zeit, war polytheistisch. Vor allem wurden Götzen und Steine angebetet und deshalb sieht man in der ersten islamischen Phase, dass man vor allem Miniaturen und Skulpturen sehr skeptisch gegenüber gestanden ist. Diese Tradition des Menschen- oder Tierbilderverbots hat sich aber bis auf Ausnahmen im Laufe der islamischen Geschichte nicht durchgesetzt. (Gerade in der Geschichte des Islam findet man kaum Bilderdarstellungen. Bilder von historischen Gestalten sind  von christlichen Künstlern angefertigt - Ergänzung Kybeline) Heute findet man nur noch eine kleine Gruppe in Saudi Arabien, bei den Serefiten, die das Menschen und Tierbilderverbot anwenden. Sie berufen sich dabei auf Koranverse, wie etwa auf Sure 40 Vers 64, wo Gott sagt: Gott ist der, der euch geformt hat und euch schöne Gestalten gegeben hat.“ oder Sure 59 Vers 24: „Er ist Gott, der Schöpfer, der Erschaffer und Gestalter.“ Deshalb meinen sie, dass beim Abbilden von Menschen und Tieren die schöpferische Rolle von Gott nachgeahmt wird und die Menschen gleich gesetzt werden mit Gott.Quelle

Kara Mustafa (lat. Aufschrift, italienischer Malstil:

Suleiman der Prächtige - venezianischer Malstil:

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3 Kommentare:

  1. Blog » Blog Archive » Bilder schrieb am 3. Januar 2009 um 10:07:

    [...] ist das, was bei Kybeline zu finden ist - auch unabhängig vom Islam: http://www.kybeline.com/2009/01/01/die-bilderlosigkeit-im-islam-und-ihre-kollektivpsychologische-fol.... Von christlicher Seite gilt: Du sollst dir von Gott kein Bildnis machen. Jedoch ist Jesus Christus [...]

  2. burgfee schrieb am 3. Januar 2009 um 20:17:

    Erinnert mich an das Spielverbot der Koranschüler im Sudan, Ungehorsam wird mit Peitschenhieben bestraft. Auch wird der Koran einfach nur auswendig gepaukt, es gibt keine Diskussion drüber, abstraktes Denken und eigene Vorstellungen, Kreativität ist unerwünscht. Dumpfer Gehorsam ist das Ziel.

    By the way, gutes Neues Jahr, kybeline!

  3. Quien se acuerda de la gripe porcína? La diosa Piggy contraataca! « NUEVA EUROPA- Nueva Eurabia schrieb am 24. September 2009 um 11:32:

    [...] su orígen en la diosa celta y de los ancestrales habitantes de Eurasia e India  (Jutta Voss: Das Schwarzmond-Tabu) en el culto al cerdo dónde las almas llegaban luego de la muerte . En la ancestral Gran Bretaña [...]

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