Teil 2: …vor 325 Jahren auf dem Kahlenberg…

abendlicher Blick vom Kahlenberg Richtung Osten über die Donau (kurz vor Sonnenuntergang)
Interessant und kurios sind manche Dinge, die sich auf die
Türkenbelagerung zurückführen lassen. Die beliebten "Kipferl", Gebäck in
Halbmondform, wurden angeblich in Anlehnung an die Form des türkischen
Halbmondes geschaffen. Weiters wurden 180 erbeutete türkische Geschütze
im Jahr 1711 auf Anordnung von Joseph I. zum Gießen der Pummerin, der
Riesenglocke für St.Stephan, verwendet. Neben zahreichen Einflüssen in
der Musik wurde „alla turca“ zur Mode; der türkische Turban hielt Einzug
in die Damenmode, und türkische Motive wie die Pfeifenköpfe zierten
Spielkarten. Auch den Kaffee haben sie uns angeblich beschert.
Nicht zu vergessen die Nachlässe der Belagerer, die noch immer im
Heeresgeschichtlichen Museum ausgestellt sind, bis auf den Kopf von Kara
Mustafa, der nun im Archiv vor sich hin modern muss, weil ihn selbst die
Türken nicht zurückhaben wollten (klar, in ihren Augen hat er ja versagt).

abendlicher Blick vom Kahlenberg Richtung Innenstadt, im Zentrum
der Stephansdom, rechts davon im Hintergrund das Belverdere, die grüne
Kuppel rechts gehört zur Karlskirche und der moderne Schornstein links
im Vordergrund gehört zur Müllverbrennung Spittelau (im Hundertwasser-Stil)

Nochmal eine Übersicht über die Stadt im Abendlicht vom
Kahlenberg aus

Sobieski-Gedenktafel an der Außenmauer der St. Josephs-Kirche
auf dem Kahlenberg

Die Turmuhr der St.-Josephskirche ist stehengeblieben und zeigt
eine Minute nach Zwölf. Sollte uns das zu denken geben?
Wenige Kilometer südlich von Wien liegt Perchtoldsdorf mit einer eindrucksvollen Burgruine. Interessant ist die Geschichte des Marktes während der zweiten Türkenbelagerung, dazu findet sich einiges im Netz.
Hier eine wirkliche Sage mit zwei schönen Fotos:

Auf einem Hügel am südöstlichen Ende der Gemarkung des historisch hochberühmten 1. f. Marktes Perchtoldsdorf, neben dem Lagerkeller der Perchtoldsdorfer Brauerei, steht eine steinerne Säule, genannt das Türkenkreuz. 1683 sollen hier die Türken aus der östlichen Richtung kommend, und zwar diejenigen Teile des türkischen Heeres, welche bestimmt waren, Perchtoldsdorf zu belagern, ihr Hauptquartier aufgeschlagen haben. Die Ankunftsseite und die Lage bestätigen dies vollauf. Da soll nun, der Sage nach, eines Vormittags der befehlhabende Pascha Willens gewesen sein, auf einem reichgestickten Teppich sitzend, sein Frühstück einzunehmen; soeben wollte er sich einen Löffel voll köstlichen Mokka zum Munde führen, als eine vom Turme aus abgeschossene Kugel ihm den Löffel aus der Hand riß. Darüber erbost, erhob er sich und gab sofort Befehl, Perchtoldsdorf zu stürmen und schwur den Perchtoldsdorfern fürchterliche Rache. Der Sturmangriff erfolgte nach kurzer Zeit von der Westseite aus, dazumal mit einem Wallgraben versehen (später Friedhof, jetzt Schnittweingarten) und bald wehte die weiße Fahne, das Zeichen der Kapitulation, vom Turme; die Türken zogen sich zurück und begannen nach Katzentugend die Unterhandlungen. Das traurige Ende der heldenmütigen Perchtoldsdorfer, das Blutbad am Marktplatze ist allen bekannt. Die Geschichte der Türkensäule, die später als Andenken hergestellt, ist derzeit vergessen, darum wollte ich sie in diesen Zeilen erhalten wissen. Quelle

Dann gibt es noch das Türkenloch in der Steinwandklamm:

Namensgebend für diese Durchgangshöhle war ein schauriges Ereignis aus
der Zeit der Türkenbelagerung 1683. Vor den Türken Schutz suchend
versteckte sich die Bevölkerung der umliegenden Orte in dieser kleinen
Höhle. Der aufsteigende Rauch des Kochfeuers verriet sie jedoch und sie
wurden von den Türken gefunden, verschleppt oder getötet. Archäologische
Grabungen im Jahr 1981 bargen Münzen, Tonscherben und Knochenfunde und bestätigten diese geschichtliche Überlieferung.
Die Steinwandklamm liegt in den niederösterreichischen Alpen, knapp eine
Stunde südlich von Wien, es gibt einiges darüber im Netz und auch viele
Fotos.
Bilder und Überlieferungen stammen alle von einem treuen Wiener Fan des Blogs. Danke.
