Die Scheinheiligkeit der Herren der dritten Welt

Hier ist so ein Artikel im Standard - ein gutes Beispiel, anhand dessen ich leichter erklären kann, was mich stört. Die zwei Leute im Bild sind die Kolonialbeauftragten Afrikas in Italien - der oberflächliche Bezeichnung ihrer bürokratischen Funktion heißt Abgerordnete im Parlament: Souad Sbai - von der ich vor ein paar Tagen berichtete und Jean Leonard Touardi.
Sie: Mitglied des Rats für islamische Angelegenheiten des islamischen Parlaments
Er: Abgeordnete des Partito Democratico
Nun sagt der aus Kongo stammende Herr Touardi zu dem Flüchtlingsstrom aus Afrika, zu den sogenannten boatpeople:
Die täglichen Bilder aus Lampedusa erfüllen den Journalisten mit "tiefer Trauer": "Dass ich keiner von ihnen bin, verdanke ich nur dem Zufall. Ich war etwas privilegierter." Die Reaktionen der EU auf die zunehmende Immigration hält er für einäugig. (...)
Und das gibt mir schon zu bedenken. Ich komme gleich darauf zurück.
Solange afrikanische Bauern für ihre Produkte Hungerpreise erhielten, werde sich an Armut und Unterentwicklung nichts ändern. Das italienische Fremdengesetz verdiene diesen Namen nicht, findet Jean Leonard Touadi. (...)
Und ich frage mich, warum in diesem Kontext Italien - oder beziehen wir es auf uns: Deutschland - für die Afrikaner aus Kongo, für die Türken in der Türkei oder für die Pakistaner in Pakistan verantwortlich sein sollen. Ich wüßte z. B. als Ungarin nicht, dass einmal die Kongolaner Flüchtlinge aus meinem Volk übernommen und sie dort ideal integriert hätten, oder dass die Pakistaner sich je darum scherten, ob die deutsche Bauern einen Hungerlohn erhielten (zum Beispiel nach dem zweiten Weltkrieg), oder dass die Ungarn z. B. 1956 mit dem nackten Leben flüchteten. Mit welchem Recht fordern sie das von uns ein? Wenn wir uns um sie kümmern, ist unsere Menschlichkeit, die uns dazu veranlaßt, nicht ihr Recht. Aber sagen wir, dass sie es fordern und dass wir sie zufrieden stellen wollen. Dann kümmern wir uns darum. Dann kaufen noch mehr intellektuelle Deppen in Europa irgendwelche komische Produkte, nur damit die afrikanische Bauer noch mehr zu Essen haben und noch mehr Kinder gebären. Das schon in sich allein ist ein falscher Ansatz, wenn man den miserablen Einfluß der abendländischen Wohltätigkeit auf die Dritte Welt betrachtet. Aber ich frage erst mal: Glaubt jemand allen Ernstes, dass davon die "hungernde Bauer" profitieren? Wenn es in der Dritten Welt der Unterschicht so elendig geht, ist es deswegen, weil die Unterdrückung dort so barbarisch ist, wie bei uns in einer lange zurückliegenden Vergangenheit, weil die Spanne zwischen Arm und Reich gewaltig ist. Dort gibt es noch die Welt, wo die Reichen sich ein hausvoll Bedienstete kaufen, denen sie alle Rechte entziehen; dass die Reichen und Mächtigen sich alles nehmen, was sie begehren und deswegen bleibt den Massen nicht mal zum Essen übrig. Man soll die Konten, die Paläste und die Privatmilizen der Wohlhabenden aus der Dritten Welt ansehen. Diese Herren sahnen jede Hilfe ab, was der Westen in die Dritte Welt schickt. Wenn das Westen günstige Handelsbedingungen den Afrikanern gewährt, dann machen wir damit nur Herren wie Ghaddafi, Mugabe oder die Herren der Elfenbeinküste, der Kongo, Burkina Faso nur noch reicher und mächtiger. Die hungernde Bauer werde weiterhin nichts haben. Wenn wir diesen Staaten sagen, was der richtige Weg wäre, dann ist es eh Einmischung in die innere Angelegenheit und dann bekommen wir wieder einen auf die Schnauze, dann halten sie uns für die arroganten Europäer. Sie müssen ihren Weg allein gehen, denselben, den wir, die abendländische und die ostasiatische Gesellschaft auch gegangen sind - ohne dass wir wie doofe, unmündige Kinder unsere Unfähigkeit den Afrikanern oder den Asiaten aufzubürden trachteten. Es ist machbar, wir und die Ostasiaten sind dafür der Beweis.
Dass es die hungernde Bauer sind, die die Boote füllen? Man soll seinen Verstand für einen Moment bemühen. Routinemäßig finde ich angaben im Internet, dass eine illegale Fahrkarte ins gelobte reiche Westen bis zu 10.000 Euro kostet. So viel steht in diesem Artikel für einen Flug aus Pakistan nach Westafrika und von dort aus ein Bootsplatz nach Teneriffa. Bis 2.500 englische Pfund ist allein der Preis für gefälschte Pässe in diesem Artikel, ohne die zusätzlichen Reisekosten. Und dann glaube man noch, dass es sich um hungernde, arme, analphabete Bauern handelt!
Man muß nicht weiter gehen, als bis zur Wikipedia. Dort kann man das Brutto-Pro-Kopf-Einkommen (BIP/Einwohner) eines jeden einzelnen Staates nachschlagen. Für Kongo betrug der BIP 2004 gerade mal 1.129 Dollar, für Marokko war es 2007 ein wenig mehr: 1.460 Euro; und für Pakistan war 2005 nicht mal 600 Dollar, wie im verlinkten Artikel zu lesen ist. Vergleichsweise ist das BIP Deutschlands 29.464 Euro und trotzdem haben die meisten nichthungernden Harz IV-Empfänger mächtige Schwierigkeiten, 10.000 Euro zusammen zu kratzen.
Betrachtet man die Struktur dieser armen, hungernden Bauernflüchtlingen, entdeckt man, dass gerade aus der Dritten Welt viele von ihnen - auch diese Politiker oben im Bild - als Letzte das Recht darauf haben, hier oder sonst wo uns die hungernde Bauern in Afrika vorzuhalten und in deren Namen von uns was zu fordern, denn gerade sie und ihresgleichen für die dortige Misere verantwortlich sind, gerade sie als Intellektuelle, als Mitglieder der dortigen Oberschicht oder als Politiker für den dortigen Zustand verantwortlich sind und weil es gerade ihre Aufgabe wäre, die dortige Lage zu ändern.
Feine Herren wie Touardi haben nie eine niedrige Arbeit erledigt, weder in Afrika noch in Europa. Sie haben auch kein Recht uns darüber aufzuklären, wie wir damit umzugehen haben, denn unser europäisches Sozialsystem ist immer noch viel menschlicher als das afrikanische. Die sollten lieber zurückkehren und dort in Afrika den Mund aufmachen.
Ein paar Politiker aus hungernden afrikanischen oder asiatischen Familien findet man auch in anderen europäischen Parlamenten, oder gar in Regierungen

“Den Hungernden Brot und den dafür Verantwortlichen Kuchen.”
Eine prima Zusammenfassung und leicht verständliche Analyse dieser verlogenen Heuchlerkultur. Es reicht anscheinend nicht, dass wir immer mehr Umverteiler im eigenen Land ertragen müssen, auch von außen werden sie immer unverschämter.
Solch aufbereitete Informationen würde ich gerne mal als Kolumne bzw. Gastbeitrag in unserer Tagespresse lesen.
Dazu hätte auch gut der Link zum Thema “Brot für die Welt” unter ‘Ähnliche Beiträge’ gepasst, da dessen Inhalt o.a. Infos sinnvoll ergänzt.
Habe gemacht.
Ich will gerne die Verantwortung übernehmen, wenn ich Ursache für Übel in anderen Ländern bin. Inwieweit das der Fall ist, weiß ich nicht, ich halte es jedoch durchaus für möglich, daß es so ist. Ich halte es für möglich, daß Europa, auch die gesamte europäische Bevölkerung, von wirtschaftlichen Vorgängen profitierte und profitiert, welche den anderen Ländern nur aufgedrückt werden konnten, weil dort eine Vertretung der Interessen der Bevölkerung nicht möglich war.
Ich bin gerne bereit mitzuwirken, daß diese Bevölkerungen gelungene Interessenvertretungen erhalten, genauso wie ich für mich gelungene Interessenvertretung wünsche.
Das gibt jedoch den Bewohnern solcher anderer Länder nicht das Recht, in mein Land zu kommen.
Im übrigen werden diese anderen die gleiche Erfahrung machen, die ich in meinem Land machen darf: daß eine gelungene Interessenvertretung nicht möglich ist, weil sie von angeblichen Universalisten nicht gewünscht ist. Die, die hier die Wahrnehmung echter eigener, also nationaler, Interessen hintertreiben, tun dies auch dort.